„Habt Mut. Ich habe die Welt besiegt.“

– Johannes 16,33

„Habt Mut. Ich habe die Welt besiegt.“ (Johannes 16,33)

 

Das „Wort des Lebens“ ist den Abschiedsreden Jesu entnommen und schließt diese ab. In ihnen spricht Jesus über seinen bevorstehenden Tod, dessen Wie und Warum, und über die Auswirkungen, die er auf das Leben der Jünger haben wird: Anfeindung, Schmerz und Bedrängnis. Direkt nachdem Jesus die Jünger scharf kritisiert und ihre Treue infrage stellt (Johannes 16,31f.), spricht er ihnen Mut und Verheißung zu.

Jesus sieht die Realität, wie sie ist – seine eigene und die der Welt. Und er kennt seine Jünger, ihre Stärken und Schwächen, ihre Fähigkeiten und ihr Unverständnis. Er redet nichts schön, sondern spricht offen an, was ist. Er weiß um die Herausforderungen, die vor ihnen liegen. Doch gerade in diese oft widersprüchliche Realität hinein spricht er ihnen Mut zu.

Die Ablehnung und der Widerstand, denen die Jünger begegnen werden, sind kein zerstörerisches Schicksal. Jesu Ermutigung zum Vertrauen und zur Furchtlosigkeit gründet in seinem endgültigen Sieg über die Welt – einem Sieg, der am Kreuz und in seiner Auferstehung bereits vollzogen ist.

 

            „Habt Mut. Ich habe die Welt besiegt.“

 

Dieser Zuspruch gilt auch uns heute. Die Erlösung ist bereits geschehen – nicht durch unsere Leistung, sondern durch Jesus. Wir dürfen unser Leben in dieser Realität verankern und daraus Kraft schöpfen. Jesus kennt unsere Lebensumstände, unsere Höhen und Tiefen, unseren Glauben und unsere Zweifel, unsere Gaben und unsere Grenzen. Er hat jede und jeden von uns angenommen, so wie wir sind, und beruft uns, seine Liebe sichtbar zu machen. Er nimmt uns die Realität nicht ab, aber er steht uns zur Seite, spricht uns Mut zu und befähigt uns, sie gemeinsam mit ihm zu durchleben.

 

            „Habt Mut. Ich habe die Welt besiegt.“

 

Leichter gesagt als getan? Vor etwa zwei Jahren habe ich mit der Arbeit an einem pastoralen Projekt für junge Menschen angefangen. Es schien ganz klar eine gute Sache und war darauf ausgerichtet, dass Menschen eine Erfahrung mit Gott machen können. In der Vorbereitung gab es viele schöne Momente, aber auch viele Schwierigkeiten und Hürden. Immer wieder gab es „Wegkreuzungs-Momente“: Situationen, durch die das Projekt einen anderen Weg nahm als vorher gedacht. Das hat mich herausgefordert. Oft schien mir Gott dann innerlich zu sagen: „Denk dran. Es ist mein Projekt und nicht deins. Hab Vertrauen: Es wird anders, aber gut.“ Das zu glauben, wenn die Lösung eines Problems auf sich warten ließ, war wie ein Sprung ins Leere. Es brauchte Vertrauen und Geduld. Aber ich durfte immer wieder erfahren, dass ich nicht allein war, sondern dass Gott mit mir ging. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden waren dann sehr positiv und es gab dabei Situationen, in denen ich Gottes Wirken und Eingreifen „sehen“ konnte.

 

            „Habt Mut. Ich habe die Welt besiegt.“

 

In einem Kommentar zu diesem Wort des Evangeliums schrieb Chiara Lubich im Jahr 1960: „Wenn Abneigung und Hass uns dazu bringen würden, einen Bruder oder eine Schwester zu verurteilen oder zu verabscheuen, dann sollten wir Christus in uns leben lassen – indem wir lieben, nicht verurteilen, vergeben und dienen … und die Rolle von Friedensstiftern übernehmen … In einer politisch und sozial zerrissenen und hart gewordenen Welt … dürfen wir unseren Einsatz nicht aufgeben. Wir müssen vertrauen und nicht zurückweichen. Unser Einsatz ist es wert – denn mit dem, der den Tod besiegt hat, kann man wider jede Hoffnung hoffen.“

Wir Christen brauchen die Herausforderungen des Alltags nicht allein durchzustehen. Wir haben jemanden an unserer Seite. Auch wenn vieles zerbrechlich erscheint und menschlich kaum lösbar, dürfen wir weiter hoffen. Mit Jesus ist es möglich, uns nicht lähmen zu lassen. Wer sich mit dem verbindet, der den Tod überwunden hat, kann auch in dunklen Zeiten von ihm Zuversicht erbitten, neuen Mut schöpfen und dann vielleicht auch etwas davon an andere weitergeben.

 

            „Habt Mut. Ich habe die Welt besiegt.“

 

Fragen zum Weiterdenken:

  • Wann / in welcher Situation habe ich Gottes bedingungslose Annahme erfahren?
  • In welchen Situationen brauche ich gerade Mut und Vertrauen in Gott?
  • Für welche Not kann ich Ermutigung und Durchhaltevermögen erbitten – für mich und andere?

 

Claudia Hubert, Innsbruck

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                © Alle Rechte an der deutschen Übersetzung beim Verlag NEUE STADT, München

                Das „Wort des Lebens“ erscheint auch in der Zeitschrift NEUE STADT. Eine kostenlose Probenummer oder ein Abonnement (jährlich € 49,- bzw. CHF 66.90) können Sie bestellen bei: Redaktion NEUE STADT, Hainbuchenstraße 4, 86316 Friedberg, redaktion@neuestadt.com oder bei Verlag Neue Stadt, Heidengasse 5, 6340 Baar, verlag@neuestadt.ch