Darf es den Tod nur im Krimi geben? Warum ist Trauer oft so versteckt? Eine Annäherung an ein schwieriges Thema.

von Gabi Ballweg
Sterben und Tod gehören zum Leben. Dieser Aussage wird kaum jemand widersprechen. Wir alle wissen, dass kein Leben ewig dauert. Und doch wollen wir am liebsten ewig jung sein, voller Tatkraft, „pumperlgesund“, wie man im bayerisch-österreichischen Raum auch sagt. In Gesellschaft, Wirtschaft, Werbung – auf sprichwörtlich allen Kanälen wird dieses Idealbild befeuert. Scheinbar ist der Tod nur in Krimis ein akzeptierter Bestandteil.
Wenn im Familien-, aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis ein nahestehender Mensch schwer erkrankt, plötzlich oder auch nach längerer Krankheit stirbt, dann fühlen wir uns hilflos, wissen nicht, was sagen, wie reagieren. Manchmal überspielen wir es, meiden den Kontakt. Versuchen so schnell wie möglich wieder in eine „Normalität“ überzugehen.
Wie lebe ich mein Leben jetzt?
Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift NEUE STADT möchte dazu einladen, sich bewusst der Tatsache zu stellen, dass unser Leben endlich ist. Im Interview sagte die Palliativmedizinerin Claudia Bausewein einen Satz, der mir unter die Haut ging: „Wir können das Thema Sterben und Tod grundsätzlich rausschieben, bis es irgendwann so weit ist. Aber eigentlich nähern wir uns mit jedem Tag unserem Lebensende. Da stellt sich die Frage: Wie lebe ich mein Leben jetzt? Was ist mir am Ende wichtig?“
Sich auf den Tod, auf das Sterben vorzubereiten, dafür gibt es keine Patentrezepte – aber doch ein paar Anregungen. Vor allem auch dazu, wie wir einander zur Seite stehen können. Ich selbst habe mir neu diese Punkte mitgenommen:
- Wenn ich andere auf diesem Weg begleiten möchte, bedeutet das immer auch, mich selbst den damit verbundenen Fragen zu stellen – vor allem der nach dem Sinn des Lebens.
- Sich aufs Sterben vorzubereiten heißt, das Leben zu leben. In Fülle. So, dass ich es nicht bereuen „muss“. Natürlich mit Fehlern und Neuanfängen.
- Leben ist in sich ein Geheimnis, der Lebenswille ein mächtiges Potenzial. Das Leben festhalten zu wollen, gehört wohl zu unseren Ur-Instinkten. Und das empfand ich neu als großartiges Geschenk.
Am Ende geht es um das Loslassen und Einander-frei-lassen. Vielleicht sind die vielen kleinen Verlusterfahrungen, die wir im Alltag und im Älterwerden machen, eine gute Gelegenheit, sich schon ein wenig darin „einzuüben“.
Trauer ist ein Prozess
Trauer ist keine Krankheit und man muss sich ihrer nicht schämen. Sie ist die natürliche, ja notwendige Reaktion auf einen Verlust. Sie ist ein Prozess, der für jeden Menschen anders abläuft und verschiedene Bereiche des menschlichen Lebens berührt.
Man kann das Sterben nicht lernen. Hin und wieder darüber sprechen könnte ihm etwas von seinem Schrecken nehmen.
Dies ist ein gekürzter Beitrag aus der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift NEUE STADT. Möchten Sie auch die weiteren Beiträge zum Thema „Sterben. Trauer. Verlust.“ lesen? Dann können Sie HIER ein Probe-Heft anfordern oder ein Abonnement abschließen.
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